Mitarbeiter-Wettbewerb: Wer’s liebt, kann alles erreichen

Sie führen ein paar Hundert Mitarbeiter, sprechen mehrere Sprachen, lesen Handelsblatt, Times und Vanity Fair. Die Hoteldirektoren der Selektion beobachten internationale Entwicklungen, sind Wirtschaftsexperten und gleichzeitig in Kunst, Musik und Literatur bewandert. Sie wissen, wer Schalke trainiert, auch wo und wie viele Bundesliga-Tore am letzten Wochenende fielen. Rutschsicher bewegen sie sich in den Spulkuchen ihrer Hauser ebenso wie auf gesellschaftlichem Parkett neben Ministern, Prinzen und Celebrities. Ihren Nachwuchs fordern sie so intensiv wie Eltern ihre Kinder.

Es ist ein spannendes Leben. Zeitintensiv und fordernd ist es auch. „You love it or you hate it", richtet sich Ingo C. Peters, Sprecher der Selektion und geschäftsführender Direktor des Hamburger Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten in einer leidenschaftlichen Rede und mit funkelnden Augen an die Contest-Teilnehmer. Die jungen Leute, jeder Jahrgangsbester in seinem Ausbildungsbetrieb, halten die Luft an. Wer hat gewonnen? Die Spannung im Raum prickelt auf der Haut. Sie wird sich später in einer krachenden Party entladen.

Hoch über Berlin, im geheimnisumwitterten Hochsicherheitstrakt der Ritz-Carlton-Suite 1212. Dort, wo Barack Obama und Will Smith genächtigt – und nur wenige Menschen Zutritt haben. An diesem geheimen Ort, der schon aus Sicherheitsgründen geheim bleiben muss, wird heute Abend ein cooler DJ auflegen und die Auszubildenden, Direktoren und Ehrengäste werden miteinander feiern und ausgelassen abtanzen. Eine elegante, sich amüsierende Gesellschaft.

Die Uhrzeiger, die es den Prüfungstag über so eilig hatten, kriechen nun. Bei den Aufgaben, wie ein Gästezimmer zu checken, Blind Tasting oder der Hotel-Präsentation gab es klare, knappe Zeitvorgaben. Elf gut versteckte Fehler waren in Kürze in einem Hotelzimmer aufzudecken, darunter eine defekte Glühbirne, ein nicht eingestecktes TV-Kabel, ein fehlendes "Bitte nicht stören"-Schild sowie die Falscheinstellung der Klimaanlage, die den Raum auf Arktische Temperatur herunterkühlte. Dies war für die vor Aufregung erhitzten Auszubildenden einer der am schwierigsten zu findenden Mängel, denn sie empfanden die Kühle in dem Moment nicht.

Riechen, Tasten und Schmecken – das Blind Tasting in der Küche forderte alle Sinne heraus. Die Ritz-Carlton Küchenmannschaft hatte es mit Präzision und dem Anspruch für ein Staatsbankett organisiert, was wiederum Direktor Robert Petrović in seiner launigen Rede mit Recht lobend anerkannte und gleichzeitig bekannte, dass er selbst nur zwei von drei Geruchsproben herausgefunden und auch beim Ertasten von Austern, Algen, Kidney Bohnen & Co. wohl nicht die volle Punktzahl erreicht hätte.

"Bevor wir dem Contest-Sieger 2015 gratulieren, möchten wir Ihnen den allerersten Gewinner von 2002 vorstellen", bittet Peters einen jungen Mann auf die Bühne: seinen F&B Assistent-Manager Thomas Eckjans. Wieder einer mit funkelnden Augen. „Ich kann mich an meine eigene Nervosität gut erinnern“, gratuliert Eckjans allen Azubis, die es in die Endausscheidung geschafft haben und verspricht, sich kurz zu halten. Im Eiltempo schildert er seine beeindruckenden Stationen zwischen 2002 und heute – darunter ein abgeschlossenes Bachelor-Studium, dem er den Master in den USA folgen ließ. Er erzählt, wie die Selektion ihn geprägt hat und wie der eine und andere Hoteldirektor sein Leben bisher begleitet haben. "Als nächstes wird Herr Eckjans schon bald für weitere Erfahrungen nach Dubai gehen", komplettiert Peters die Vorstellung.

Eckjans schließt mit einem „Carpe Diem“-Appell an die Teilnehmer: „Nutzt die vielen Chancen, die euch geboten werden. Macht von den Praktika- Möglichkeiten innerhalb der Selektion Gebrauch – und wenn ein glücklicher Zufall auftaucht, zögert nicht, den geplanten Weg beherzt zu verlassen!“

© STERNKLASSE-Magazin 2015