Vincent Klink: Ich koche, also denk ich

Um ein wenig die Gourmetkocherei auszuleuchten, sei gesagt, dass es einen Unterschied macht, ob man aus reiner Eitelkeit sich in den Gourmethimmel kocht und womöglich den Kritikern gefallen möchte, die sowieso die fleischgewordene Eitelkeit darstellen. Wenn man letztlich Verantwortungslosigkeit mit Erfolgsverkrampfung verbindet und sich nicht um das Wie und das Woher von Lebensmitteln kümmert, oder gar hinterfragt, ob der eigene Genuss auf anderer Menschen Unglück fußt, dann hat man seinen Beruf verfehlt und sieht die Kocherei nur als Job, als Erfolgsziel und womöglich nur als Vehikel, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen.

Unsere Konsumwelt, unsere kannibalische Weltordnung, ist angesichts des Hungers in der Welt dann besonders verwerflich, wenn wir Lebensmittel (Überlebensmittel) nicht achten. Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind an Hunger. Eine der Ursachen sind börsennotierte Lebensmittel. Gewissenlose Aktionäre und Spekulanten trieben im letzten Jahr die Preise für Reis, Mais und Getreide aufs Doppelte. Man glaube aber ja nicht, dass die Bauern am steigenden Preis beteiligt waren. Das Geld fließt den Spekulanten zu.

So hat ein Koch vor dem Hintergrund des Hungers in der Welt eine eklatante Verantwortung. Die meisten Köche tragen dem auch Rechnung, aber was ist mit den Mercedes- und den BMW-Autos, die ich ganz wunderbar finde, was hat aber diese Einkommensklasse vor Billigmärkten zu parken? Natürlich kann man dort Waschmittel und sonstige Alltagsutensilien kaufen: Warum aber Lebensmittel?

Warum sprachen die Weltenlenker auf Schloss Elmau beim G7-Gipfel fast nur vom Klimaschutz, dessen Problematik – welch eine Infamie –, an unsere Enkel auf 2080 durchgereicht wurde. Über diese Nullnummer hinaus hörte man weiter fast nichts. Vor allen Dingen keinen Pieps zum Welthunger. Die große Politik, was für ein Knäuel von Gartenzwergen. Mit einem einfachen Bundestagsbeschluss könnte man die Spekulation von Lebensmitteln in Deutschland unterbinden. Warum geschieht nichts? Sind die Politiker die Marionetten der Konzerne?

Jeden, den ich frage sagt mir: „Ja klar hat die Politik nichts mehr zu melden und ist unter der Fuchtel einer Hedge-Fonds-Verbrechenswährung“. Gibt es Journalisten, denen das noch auffällt? Müssen jetzt alte Säcke, wie ich, wieder wie zu Jugendtagen faule Eier werfen und einen Aufstand starten? Eigentlich sollte es Parteien geben, die das für den Bürger übernehmen! Selbstverständlich bin ich ein Fan von Jean Ziegler. Wer diesen Namen nicht kennt, sollte möglichst schnell mal losgooglen!

Vincent Klink
Tagebuch

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