Leserbrief „VERSCHÄMT“

"Wir hatten diese Woche geschlagene 24 kurzfristig – am selben Tag! – stornierte Plätze. Ich kann die Gründe verstehen und habe sicherlich auch Verständnis dafür, wenn man krank ist oder sonstige Vorfälle passieren. Allerdings, wenn man dies auf die Wirtschaftlichkeit eines Sternerestaurants bezieht, ist es schwer zu verdauen. Zumal wir auf unserem Niveau die Tische in den meisten Fällen nicht mehr vergeben können.

Nicht dass wir uns selbst die Taschen vollstopfen wollen, sondern weil wir ein attraktiver Arbeitgeber sein wollen. Weil wir gute Löhne zahlen möchten, weil wir keine Lebensmittel wegwerfen möchten, wenn am anderen Ende der Welt Menschen an Hunger verenden. Weil wir eine soziale und ökonomische Verantwortung haben!"

STERNKLASSE Antwort:
Diese Mitteilung haben wir auf Facebook gefunden. Nicht nur Restaurants, auch Ärzte und Physiotherapeuten, Frisöre, Fotografen, Nachhilfelehrer – eigentlich alle Freiberufler – beklagen die Unsitte, kurzfristig "unwirtschaftliche Freiräume" durch kurzfristige Terminabsagen hinnehmen zu müssen – meist stillschweigend aus Angst, Kunden zu verlieren.

Warum stopfen Ärzte ihre Wartezimmer so voll? Wenn Sie beim nächsten Mal, trotz Termin, stundenlang warten müssen, machen Sie nicht dem Arzt den Vorwurf, er hätte seine Termine nicht im Griff, er könne nicht planen. Weder die Zuverlässigkeit noch die Unzuverlässigkeit der Menschen sind für ihn planbar.

Große Wartezimmer sind für Restaurants natürlich keine Lösung. Da ihnen aber kurzfristige Stornierungen Löcher von 20, 30 und 40 Prozent in den Tagesumsatz reißen, sind sie zu Veränderungen gezwungen.

Die Einführung einer kostenfreien Stornierungszone bis 48 Stunden vor dem Reservierungsdatum, und das Erheben einer Ausfallpauschale von 50 € pro Person, bei späteren Stornierungen, würde auf jeden Fall zu einem signifikanten Rückgang von Last minute-Stornierungen führen. Wie es das Sylter Beispiel zeigt. Eine Ausfallpauschale, die den Schadenverursacher anhält, Verantwortung zu übernehmen – die ihn hindert, die Folgen komplett auf den Geschädigten abzuwälzen. Wie es auch der Fall ist, wenn man die Jacke eines Passanten versehentlich mit Eis bekleckert oder einem fremden Auto einen Blechschaden zugefügt hat.

STERNKLASSE meint, Restaurants sind diese Einführung auch ihren Mitarbeitern schuldig.

© STERNKLASSE-Magazin 2015