Leben wie Dänen – La Dolce Vita in Kopenhagen

Egal, wo man in Kopenhagen wohnt, die Ostsee ist ganz in der Nähe. Die gemütliche Hauptstadt Dänemarks ist mit knapp 600.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes. Forbes zählte sie 2009 zu den teuersten der Welt. Gourmets finden hier ein kulinarisches Epizentrum. Und der erste World Happiness Report, 2012 im Auftrag der Vereinten Nationen erstellt, bringt ans Tageslicht, dass die glücklichsten Menschen in Dänemark wohnen.

Fahrradfahren ist Volkssport. Das ist politisch gewollt; die Steuern rund ums Auto sind sehr, sehr hoch. Neun von zehn Dänen besitzen ein Fahrrad – und alle sind morgens, mittags und am Abend damit unterwegs. Kopfhelme sind unbekannt. Und als Fußgänger gewöhnt man sich rasch an die vielen Radler, die hier unterwegs sind, weil sie viel umsichtiger sind als anderswo, um nicht zu sagen: als bei uns in Deutschland.

Nyhavn mit den bunten Häusern am Kanal ist vermutlich das am häufigsten fotografierte Motiv und der bekannteste Teil Kopenhagens. Die Fenster vom Hotel d‘Angleterre blicken auf dieses lebendige Fleckchen, das die Menschen bei schönem Wetter aus allen Richtungen der Stadt anzieht. Hier reiht sich Kneipe an Kneipe, Restaurant an Restaurant. Zum Essen sind wir dem guten Tipp ins Restaurant Greis gefolgt, das zwischen Hotel und der Bootsanlegestelle Nyhavn auf halbem Weg liegt. Eine Bootstour sollte man unbedingt einplanen, um in den maritimen Charme der Stadt einzutauchen und einen ersten, tiefen Atemzug von der architektonischen Vielfalt zu nehmen. Von den kupfergedeckten, alten Baudenkmälern bis zur modernen Bibliothek und der Königlichen Oper sieht man auf diese Weise vieles, wofür die Zeit beim ersten Zwei-Tage- Besuch vielleicht nicht reicht. So auch die berühmte Kleine Meerjungfrau, von der die einen behaupten, es sei eine Nachbildung, andere, es sei das vielfach wieder in Stand gesetzte Original von Edvard Eriksen. 101 Jahre alt ist das nur 1,25 Meter hohe, zierliche Bronzepersönchen, das sein Vorbild im gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen hat. Mehrfach hat man der Kleinen Meerjungrau schon den Kopf abgesägt. Und auch einen Arm verlor sie kurzweilig, doch immer wieder wurde sie liebevoll restauriert und bleibt eins der kleinsten „Muss-ich gesehenhaben“- Wahrzeichen einer Hauptstadt.

An jeder Bootsanlegestelle kann die Fahrt unterbrochen und später wieder fortgesetzt werden. So lange, bis der Bootsmeister irgendwann am Abend die Fahne an der Haltestelle einholt; das untrügliche Zeichen dafür, dass nun kein weiteres Boot mehr kommen wird. Direkt hinter dem Hotel d’Angleterre beginnt die älteste und längste Fußgängerzone Europas, die StrØget, mit vielen Nobelmarken, wo auch die Edelsilberschmiede Georg Jensen, das Designund Möbelhaus Illums und die Porzellanmanufaktur Royal Copenhagen anzutreffen sind.

Das aus vier Rokokopalästen bestehende, um den achteckigen Amalienborg Platz gruppierte Schloss Amalienborg, den Wohnsitz der königlichen Familie, schauen sich die meisten Touristen am Mittag um zwölf zur Wachablösung an. Nicht versäumen sollte man den weltberühmten Vergügungspark Tivoli, den mit Einbruch der Dämmerung das Licht von 120.000 Lampen und die Musik von Konzerten verzaubern. Noch immer fährt die hölzerne Achterbahn altmodisch mit Bremser, und das zweithöchste Kettenkarussell der Welt dreht seine Runden. Schrille Schreie jedoch kommen aus anderer Richtung, dorther wo die, die das mögen, sich auf einer hochmodernen Attraktion den Magen umstülpen lassen können. Wer im romantischen Luxushotel Hotel Nimb übernachtet, ist mitten im Geschehen, hat vielleicht nicht immer eine ruhige Nacht, dafür aber das Privileg, die Blumenpracht und vorbei stolzierende Pfaue am nächsten Morgen ganz für sich allein zu haben.

Vom Tivoli sind es nur ein paar Schritte zur Ny Carlsberg Glyptotek, die mit 350.000 Besuchern das meistbesuchte Museum Dänemarks ist. Es beherbergt eine große Sammlung antiker Kunst, einen Schatz an Skulpturen aus dem Mittelmeerraum und die Werke einiger der berühmtesten Impressionisten. Carl Jacobsen hat es mit seiner privaten Kunstsammlung gegründet, die als größte der Welt im 19. Jahrhundert galt. Am Museumsnamen ist erkennbar, dass es sich bei ihm um den Besitzer der Carlsbergbrauerei handelte. 1996 kam der „Impressionistenflügel“ von Henning Larsen hinzu. Dem dänischen Stararchitekten, der auch die 2005 eingeweihte Königliche Oper mit einer der modernsten Bühnen der Welt entworfen hat.

© STERNKLASSE-Magazin 2014