Horst Schulze – Gründer der Capella Hotel Group

Angestrebtes Ziel: 100 Prozent Kundenzufriedenheit. Harvard, Yale oder Berkeley? "Volksschule", antwortet er, wenn er nach seinem Abschluss gefragt wird. Und, dass ein Hotel nur mit Leadership gelenkt werden könne. "Ein Manager, der einen Zigarettenstummel im Beet entdeckt, staucht den Gärtner zusammen. Ein Leader hebt den Stummel auf, wirft ihn in den Müll und fragt den Gärtner, was geschehen müsse, damit so etwas nicht wieder vorkommt."

„Wassereinschenken ist kein Service. Das kann jeder“, sagt er. Schulzes Zielgruppe sind die oberen zwei Prozent der Geschäfts- und Urlaubsreisenden. Die, für die der Preis eine untergeordnete Rolle spielt. Vorausgesetzt: Alles stimmt und der Service ist perfekt. 100 Prozent Zufriedenheit, nicht weniger, werden angestrebt.

Schon als 11-jähriger Schüler trifft der in Winningen aufwachsende Horst die Entscheidung: „Ich gehe ins Hotel!“. Mit 14 beginnt er eine Ausbildung zum Kellner im Kurhaus Bad Neuenahr. Nach bestandener Prüfung geht er auf Wanderschaft durch Europa, heuert in den besten Grandhotelpalästen der Zeit an. In England (The Savoy, London), in Frankreich (Plaza Athénée, Paris) und in der Schweiz (Beau-Rivage, Genf). Jede Station exakt geplant ein Jahr! So lange soll es auch in den USA sein, wo er als 26-Jähriger mit zwei Koffern und 20 Dollar Barvermögen ankommt. Er wohnt zunächst in einer Jugendherberge, jobbt in einem Restaurant und nebenbei als Zimmerkellner bei Hilton.

Dort macht er den Sprung ins Management und startet eine einmalige Hotelkarriere. Über die Position des Catering Managers bringt er es zum F&B-Manager für zwei Hilton Hotels. Dann wechselt er zu Hyatt und steigt auf bis zum Vize Präsidenten, verantwortlich für 65 Hotels. Cut.

Alle halten ihn für verrückt, als er kündigt, um zu einer Hotelkette zu wechseln, die noch gar nicht existiert. Nur vage im Kopf eines Investors. Bill Johnson will eine solche im obersten Luxussegment gründen, und der Deutsche Horst Schulze soll sie formen. Die Zusage zu absolut freier Hand, die Möglichkeit der Gestaltung, lässt den Service-Profi Anfang 1983 den, in fremden Augen waghalsigen und scheinbar selbstmörderischen, Schritt tun. Wer nicht wagt …

Ein paar Monate später kauft Investor Johnson das Ritz-Carlton in Bosten – und die weltweiten Namensrechte gleich mit. Der Rest steht in den Geschichtsbüchern von Hotellerie und Gastronomie, wo Paul Bocuse seinen Platz neben Auguste Escoffier eingenommen hat und Horst Schulze neben César Ritz. Auf 38 Hotels, 1,5 Milliarden Jahresumsatz und 18.000 Mitarbeiter wächst die Ritz-Carlton Company mit Sitz in Atlanta bis 2002.

Zweimal nimmt Schulze in den 1990er- Jahren den bedeutenden Wirtschaftspreis „Malcolm Baldrigde“ entgegen, aus der Hand des amerikanischen Präsidenten – erstmalig und letztmalig für die Hotelbranche. „Eine Erfahrung, die einen demütig werden lässt. Ich habe ihn erhalten – jeder Mitarbeiter hat ihn.“ 1997 verkauft Horst Schulze seine Geschäftsanteile an Marriott, bleibt aber vertraglich für fünf Jahre an Ritz- Carlton, sprich Marriott, gebunden.

Jeder fragt sich, warum er verkauft hat. Horst Schulze beantwortet die Frage, dass dies die amerikanische Art und Weise sei, Geld zu verdienen. 2002 beendet Ausnahmehotelier Schulze sein bis dahin bedeutendstes und längstes Lebenskapitel. Hilton, Hyatt, Four Seasons und andere Hotelketten haben keine schlechtere Ausstattung als Ritz- Carlton Hotels, dennoch hinken sie in puncto Kundenzufriedenheit hinterher. Ritz-Carlton erreicht satte 96 Prozent. Endlich Zeit zum Angeln und für die Familie. Schulze ist gerade Anfang 60 und hält den neuen Ruhestand drei Wochen ganz gut aus.

Noch im selben Jahr gründet er die West Paces Hotel Group in seinem Heimatort Atlanta, die ein paar Jahre später in die heutige Capella Hotel and Resorts Group umfirmieren wird. Er kann nicht anders. Er muss. Bevor andere es ahnen, hat er erfasst, dass die Welt des Luxus ihre Umlaufbahn verlassen hat. Sie dreht sich um neue „Sterne“. Zukunft liegt nicht in der Steigerung der Pracht, sondern in der Festigung von Bindung. In der alten Umlaufbahn startet das 1999 eröffnete, 60 Etagen hohe Burj al Arab (Turm der Araber).

Das Hotel wird zum Wahrzeichen von Dubai. Weltweit als einziges „7-Sterne- Hotel“ gefeiert, mit 8.000 Kubikmeter verarbeitetem Blattgold. 2001 zieht die Herrscherfamilie von Abu Dhabi nach, investiert drei Milliarden Euro (!) und vier Jahre Planung und Bauzeit ins Emirates Palace. Mit 400 Zimmern und Suiten das teuerste Hotel der Welt – auch ein Stern in der alten Umlaufbahn.

Nach fünf Jahren eröffnet Horst Schulze 2007 zwei Capella Hotels und 2008 den Breidenbacher Hof. Millioneninvestments für Luxusgasthäuser mit Seele. Für 100-prozentige Gastzufriedenheit, starke Kundenloyalität – und beste Erträge. Hot Spots für Gastgeber mit Talent plus.

© STERNKLASSE-Magazin 2014