Günter Scherrer: Chef der Chefs

Der Chef vom Chef des Chefs
Günter Scherrer, Berthold Bühler, Benjamin Kriegel

Im Düsseldorfer Fritz Frau Franzi traf Berthold Bühler gestern bei seinem Ex-Schüler Benjamin Kriegel seinen Ex-Chef aus Hilton-Tagen: Günter Scherrer, den Mann mit Legenden-Status, den die Rheinische Post kürzlich – 17 Jahre nach seinem Abtritt von der kulinarischen Bühne! – mit der Lobeshymne bedachte: „Als Günter Scherrer das Victorian war“ (http://bit.ly/2DpLD3Q). Zwischen den Zeilen dicke Krokodilstränen, dass Düsseldorf mit Günter Scherrer erst seinen Mr Victorian verlor – und nun auch das Victorian selbst.

Scherrer war nicht nur Sternekoch. Er war ein begnadeter Gastgeber. DER Gastgeber! Eine Lichtgestalt. Einer, der das japanische Kaiser-Paar auf Staatsbesuch verzauberte, der ein 2.000 Personen-Bankett zu rocken vermochte, der die Kö zeitweilig zur eleganten Gourmet-Prommenade machte und genauso gut Hans und Lieschen Müller an ihrem Hochzeitstag im Victorian verwöhnte und berührte.

Auf den Zeitungsbericht der Rheinischen Post folgt eine Flut von Facebook-Posts. Angestoßen von Sascha Stemberg, einem ehemaligen Scherrer-Schüler. Heute ist Sascha Stemberg selbst ein gestandener Chef und Sternekoch in Velbert. Der Wunsch der Facebook-Gemeinde von ehemaligen Scherrer-Mitarbeitern ist unisono: Noch einmal für und mit Günter Scherrer zusammenkommen! Eine Party für den alten Chef zu schmeißen. Ihm zu zeigen, was sie draufhaben, seine ehemaligen Schüler. Was sie im Schweiße ihres Angesichts von ihm gelernt haben und worüber sie damals auch hier und da geflucht haben. In allen Posts schimmern leuchtende Augen.

Günter Scherrer und Berthold Bühler zu Gast bei Benjamin Kriegel

Kein Zufall, dass die beiden Ex-Chefs für ihr Treffen das Restaurant des Düsseldorfer Sternekochs Benjamin Kriegel wählten: Kriegel ist wie Stemberg ein Victorianer; und Kriegel war auch Teammitglied in Bühlers Sterneküche im 2017 geschlossenen Essener Hotel Résidence.

Die Fritz-Bar ist gleichzeitig Desk des Hotelempfangs. „Stylisch“ so der erste Eindruck vom Ambiente. Und dabei modern und gemütliche zugleich. Zwei Herren im grauen Hemd an der Bar grüßen Berthold Bühler freundlich zurück, der eine von beiden blickt angestrengt ins Buch und murmelt: „Sie haben auf Bühler reserviert? Hm, den Namen kann ich gerade gar nicht finden.“ Nach einem kurzen Augenblick ungläubiger Verblüffung grinsen beide, „Herzlich willkommen, Herr und Frau Bühler. Wir freuen uns so über Ihren Besuch. Ganz besonders Herr Kriegel.“ Fritzs Frau Franzi hat Humor!

Im selben Moment treffen Scherrers ein. Zwei Minuten später stellt sich Restaurantleiterin Ramona Leinweber vor, stimmt uns charmant fröhlich, mit einem Glas Champagner auf Haus, auf den Abend ein – ganz nach Kollegen-Art wie auch Günter Scherrer und Berthold Bühler sie pflegten. Ein Salmon mit kräftigem Goldton, von wunderbarer Qualität und zu 100 Prozent aus Petit Meunier. Wir stoßen auf den schönen Abend an und auf Benjamin Kriegel, der für einen kurzen Moment die Küche verlassen hat, um uns am Tisch zu begrüßen. Ungezwungen, herzlich, souverän und aufmerksam agieren Ramona Leinweber und das Herren-Service-Team. Mit jener Leichtigkeit, die nur mit echter Freude am Gastgebersein erreichbar ist. Chapeau!

Rasch erfolgt die Einigung auf das 5-Gang-Chef`s Choice Menü (79 €), das Kriegel freundschaftlich erweitern wird. Bühler wählt dazu eine 2012er Riesling Auslese von Prüm. Eine Auslese, die ihrem Namensgeber die erwartete Ehre macht (unschlagbar! Und neben dem Genuss ein weiterer Vorteil: nur 7,5 Vol.). Zu Ehren von Angeles Scherrer, Günters spanischer Ehefrau, gibt’s zum Hauptgang einen Rioja Reserva – und von ihr die humorvolle Geschichte, wie Günter in der ersten nach beruflichen Weihnachtssaison das Blut in der heimischen Küche bis in die Fenstervorhänge spritzen ließ. Urkomisch! (Anmerkung: Muss erst fragen, ob ich sie weitererzählen darf).

Fazit zum Restaurantbesuch Fritzs Frau Franzi

Küche: sehr kreativ, mit überraschenden Momenten – ohne falsche Anstrengung, die nach Beifall heischt. Gerichte, die in Erinnerung bleiben. Speisen, von denen man schwärmen kann, reduzierte Komplexität zur Genuss-Steigerung. Einfach köstlich!

Bühler: „Fritzs Frau Franzi ist mein neues Lieblings-Restaurant in Düsseldorf“

Gastlichkeit und Service: Authentisch herzlich. Echte Gastlichkeit. Professionell, souverän, aufmerksam und liebenswert.

Budget: Mit 120 – 150 € pro Person ein beglückender Abend. Mit 75 € ein Zwei Stunden Dinner für unter der Woche.

Fritzs Frau Franzi, Restaurant von Sternekoch Benjamin Kriegel
Sterne-Restaurant Fritzs Frau Franzi (Düsseldorf)