GRAND RESORT BAD RAGAZ|GRANDHOTEL – Schweiz

Den Überlieferungen nach sollen sich schließlich anno 1242 tapfere Jäger vorgewagt haben, um in die Tiefe vorzudringen und das vermeintliche Monster ein für alle Mal zu erlegen. Was sie fanden war kein feuerspeiender Drache, sondern eine dampfende Quelle mit 36,5 Grad C warmem Wasser. Ob es tatsächlich so war? Wer weiß. Es ist eine von vielen Geschichten, die sich um die berühmte Heilquelle in der Taminaschlucht ranken.

Mönche eines nahegelegenen Benediktiner-Klosters kümmerten sich bald darauf um die Wasserfundstelle. Der berühmte Arzt und Heiler Paracelsius beschrieb im 16. Jahrhundert die Kräfte des körperwarmen Wassers bei bestimmten Krankheiten. Und wenn auch die derben Behandlungsmethoden zu dieser Zeit eine echte Tortur waren, so reisten die Patienten dennoch in Scharen an. Vor Todesfurcht zitternd wurden sie auf eine Trage gelegt. Was dann folgte, war eine äußerst wacklige Angelegenheit. Nur an Seilen befestigt, wurden die Menschen in den 30 Meter tiefen Abgrund hinunter gelassen. Mit jedem Meter wurde es dunkler. Bis sie schließlich die totale Finsternis umschloss. Und je tiefer es in den grabdunklen Abgrund führte, desto lauter und bedrohlicher tobte das Wasser unter ihnen. Eine Mutprobe sondergleichen. Unten angekommen, wurden die erleichtert Angekommenen dann in eins der Löcher gesetzt, die dafür in den Felsen gehauen worden waren. Dort mussten sie tagelang, fast ununterbrochen, im Thermalwasser hocken. Und ausharren.

1630 kommt die entscheidende Verbesserung. Ein wichtiger Schritt für den späteren Aufstieg von Bad Ragaz als Welt Badeort. Die Tragen wurden abgeschafft. Das Thermalwasser nun über eine neu gebaute Leitung aus Lärchenholz geleitet. Von der Schlucht hinunter in ein für die Wasserbehandlung ebenfalls neu errichtetes Badehaus. Zwischen 1704 und 1718 entstehen die Klostergebäude des bis heute erhaltenen und gut in Stand gesetzten Alten Bad Pfäfers. Für heutige Besucher ist der Weg dorthin von Bad Ragaz hinauf gut zu Fuß zu bewältigen, es fährt allerdings auch ein Bus. Nach 30 bis 40 Minuten Fußweg durch die einzigartige Naturlandschaft mit ihren rauen Felsen, zeigt sich das Kloster mit einer erstaunlich schmalen Frontfassade. Auf den ersten Blick mag man kaum glauben, dass hier seinerzeit bis zu 300 Gäste untergebracht waren. Eindrucksvoll: die alte Küche und die Kapelle, in der unzählige Menschen zu Gottt beteten und um Gesundheit für sich oder Familienangehörige flehten. So auch Theodor Fontane, dessen Frau schwer unter Rheuma litt. Ragaz war ihre letzte Hoffnung, „der letzte Trumpf“, wie der Dichter in einem Brief schrieb.

Mit festen Schuhen und einer Regenjacke ist man heutzutage bestens gerüstet, um über einen Holzsteg, der sich eng an die Felswand schmiegt, zur Quelle zu gelangen. Ein atemberaubendes Erlebnis. Von den drei unterschiedlichen Leitungen, die in den letzten 175 Jahren für den Transport des "blauen Goldes" gebaut wurden, stehen hier Modelle. Eine bewundernswerte Meisterleistung war die erste aus Holzteucheln, die bis Anfang der 1960er- Jahre ihren Dienst leistete. Die zweite aus Eternit wurde 2015 gegen eine hochmoderne ausgetauscht. Sie ist aber bei Reinigungsarbeiten an der neuen weiterhin einsatzfähig.

Anfang des 19. Jahrhunderts kommen in Europa mondäne Kuraufenthalte in Heilbädern groß in Mode. Goethe und Wagner kurten beispielsweise in Marienburg. Den französischen Adel zog es nach Vichy, und Zar Peter der Große war mal im belgischen Spa und mal im tschechischen Karlsbad anzutreffen. Wenig erstaunlich war und ist, dass klösterlich-bescheiden karge Unterkünfte wie im damaligen Bad Pfäfers wenig anziehend wirken auf die Reichen und Schönen. Um die Region wirtschaftlich erfolgreich für die Zukunft aufzustellen und um Arbeitsplätze zu schaffen, befand der noch junge Schweizer Kanton St. Gallen, müsse man die Quelle touristisch besser nutzen als bisher und für die ausgabefreudige Klientel entsprechende Unterkünfte und unterhaltsame Ablenkungen schaffen. So enteigneten die Politiker mit dieser Erkenntnis kurzerhand das Kloster und ließen das Thermalwasser 1840 noch ein Stück weiter fließen. Bis nach Ragaz. Seitdem kommt der 36,5 Grad C warme Heilspender dort erfreulicherweise ohne Temperaturverlust an.

Ein stilvolles Grandhotel, eine prächtige Parkanlage, ein großartiger Kursaal und verschiedene neue Badeeinrichtungen sollten in Ragaz entstehen. Das war der Plan, um den Ort in die Liga der Heilbäder von Weltrang zu führen. Dafür traf der Kanton eine weitere weitreichende wie weitsichtige Entscheidung. Man verpflichtete den visionären Schweizer Architekten Bernhard Simon, der zuvor viele Jahre in Moskau tätig gewesen war und vor gewaltigen Aufgaben nicht zurückschreckte. Simon verpflichtete sich, das Erwartete zu bauen. Im Gegenzug verlangte er allerdings für sich, den Hof Ragaz, die Themalwasserquelle und einiges andere erwerben zu dürfen. 1869 eröffnete das Hotel Quellenhof. Der russische Adel, dem der Bauherr aus Moskauer Tagen vertraut war, reiste recht bald mit viel Gepäck und großem Gefolge an. Und nachdem erste finanzkräftige Kunden Ragaz entdeckt hatten, folgten illustre Gäste wie Rainer Maria Rilke, Friedrich Wilhelm Nietzsche, Thomas Mann und Victor Hugo. Die Rechnung der Planer war aufgegangen.

Der Einbruch kam mit den Weltkriegen. Die Übernachtungszahlen gingen in kurzer Zeit rapide in den Keller. Und selbst in der neutralen Schweiz verarmten große Teile der Bevölkerung. Die wirtschaftliche Not Europas zwang auch die Erbenfamilie Simon in die Knie – sie war gezwungen, ihre Anteile der St. Gallener Kantonalbank zu übertragen.

Erst in den 1950er-Jahren begann die Bank mit umfangreichen Investitionen, den Glanz der beiden im 90-Grad Winkel zueinander stehenden Grand Hotels "Hof Ragaz" und "Quellenhof" wieder aufzupolieren. Erste gezielte Maßnahmen zur Förderung der Wirtschaftlichkeit waren der Anbau eines neuen medizinischen Zentrums am Quellenhof und die Weiterentwicklung von Bad Ragaz zum Wintersportort. Bis dahin schlossen ortsansässige Hotels noch in der kalten Jahreszeit.

Dieter Hecking gab Platzwart Iwan Bonderer dafür die Note „1 mit Sternchen“. So lobte der Trainer der "Wölfe" den gelernten Fliesenleger öffentlich in der BILD-Zeitung für seinen bis dato zwölfjährigen Dienst am Rasen. Wir hingegen wollten für unsere STERNKLASSE-Leser von Martin Leiter, Sprecher des Grand Resorts, wissen, welcher Mannschaft er im DFB-Pokalendspiel den Daumen gedrückt hat. „Für die Dortmunder oder die Wolfsburger?“ In Verlegenheit brachten wir den Wort-Profi damit nicht. Salomonisch antwortete er: „Wir alle haben ja Gott sei Dank zwei Daumen."

Der Spitzenrasen sorgt allerdings nicht allein dafür, dass regelmäßig Mannschaftsbusse mit den besten Fußballspielern Europas durch die Ferienregion „Heidiland“ anrollen, um ihr Trainingscamp aufzuschlagen. Während in den 80er- und 90er-Jahren die Wellness-Welle hochschwappte, baute das Grand Resort parallel zum Spa seine Rolle als eines der führenden, europäischen Medical Health Center aus. Die sportmedizinische Abteilung erhielt 2004 die offizielle Auszeichnung zum Swiss Olympic Medical Center. Und nicht nur Fußball-Profis lassen sich von Dr. Christian Schlegel und Dr. Christian Hoppe auf sportliche Höchstleistungen und Herausforderungen vorbereiten – oder nach Krankheiten wie Verletzungen rehabilitativ behandeln.

Schlafstörungen können, wie man heute weiß, von einem Burnout herrühren oder Vorbote darauf sein. Eine Schlaftherapie kann helfen. Aber auch wer mit einem Schnarcher zusammenlebt, kämpft sich oft schlaflos durch die Nacht. Mit einer neuen Behandlungsmethode, einem operativen Eingriff am Kiefer, führt die Klinik seit einigen Monaten erfolgreich „zersägte“ Schlafzimmer wieder zusammen.

Die einzigartige Kombination aus Luxushotel und hoher medizinischer Fachkompetenz lockt wie vor 150 Jahren Zahlungskräftige aus der ganzen Welt in die Region. Der Zürcher Flughafen ist nur eine Autostunde entfernt und macht die Anreise für Patienten heute leicht in das Traumland, das Johanna Spyri Ende des 19. Jahrhunderts so lebendig beschrieben hat, dass ihre Heidi-Romane zum millionenfach gedruckten Welterfolg wurden. Übersetzt in über 60 Sprachen. Ob Dermatologie, Allergologie, Ästhetische Chirurgie oder auch das Zentrum für Adipositas. Besonders die Abteilung für Rheumatologie und rheumatologische Rehabitlitation unter der Leitung von Prof. Dr. Rolf Hohmeister genießt ein hohes internationales Ansehen.

Internationales Ansehen haben sich der Mediziner und seine Frau Esther auch in der Kunstwelt verschafft, als sie zum Millennium die erste Bad RagARTz aus dem Nichts, mit privater Verschuldung bis unters Dach, in einem – eigentlich unmöglichen – Kraftakt ins Leben katapultierten. Mit diesem Golith-Vorhaben und einem David-schmalen Startkapital von 1,9 Millionen Franken, brachten sie es fertig, mehr als 2.000 Tonnen Kunst über Kontinente hinweg nach Bad Ragaz zu schaffen. Wie hoch allein die Transportkosten gewesen sein mögen? Und erst die Versicherungssumme!

Über das Sehen, Verstehen und Lieben der Kunst könne der Mensch einen Weg zurück zu sich selbst finden, das ist die feste Überzeugung des visionären Ehepaares. Die Ausstellung ist somit durchaus auch eine Form von Therapie, in einer Welt, in der alles immer schneller gehen muss und in der die Unterschiede zwischen Schein und Sein, zwischen Realität und Virtualität verschwinden.

Rolf und Esther Hohmeister sind sich sicher, dass Kunst und Glück Geschwister sind. Für eine halbe Millionen Menschen haben sie das Geschwisterpaar in diesem Jahr wieder aus dem musealen Elfenbeinturm herausgeholt und zugänglich gemacht.

Es war schon immer so, und nicht nur in Filmen mit Sir Peter Ustinov, dass im besten Haus am Platz spannende Gäste einkehren. So ist es natürlich auch im Grand Resort Bad Ragaz. Den ganzen Nachmittag über rätseln die Gäste am Außenpool "Wer mag wohl der Mann sein, den die stramme Bodyguard-Truppe so unauffällig auffällig bewacht?" Der Mann, der die vielen Augen mit dem Fragezeichen im Blick auf sich zieht, verlässt über beinahe zwei Stunden kein einziges Mal seine Liege. Die gestählten Muskelmänner springen einzeln in den Pool. Nacheinander erfrischen sie sich jeweils maximal eine halbe Minute. Da hatte sich doch tatsächlich ein amtierender Staatspräsident zum Sonnenbad unters Volk gemischt.

Genauso spannend wie die Gäste sind immer auch die Mitarbeiter solcher Hotels. Service-Mitarbeiter Thomas Sevilla und Bar Manager Stefan Wich sind zwei von ihnen. Wich hat im Offenbacher Mercure Hotel gelernt.

Über Zypern wanderte er in die Schweiz nach Pontresina ein und wurde vor Jahren schon in Bad Ragaz sesshaft. Ein paar Minuten zu Fuß vom Resort entfernt. Jede Menge Fachwissen hat er in Sternerestaurants aufgesaugt. "Doch an der Bar", so sagt er „geht’s einfacher, locker zu sein“. Das Erlernte gibt er heute in Schulungen und im Tagesgeschäft an sein Team weiter. Beim Thema Bier lernt man an seiner Bar ganz nebenbei, wenn man „Singha Beer“ bislang stets falsch ausgesprochen hat. Das „a“ ist nämlich stumm und wird nicht gesprochen. Mit dem Quellwasser aus der Taminaquelle wird seit einigen Monaten auch ein hauseigenes Bier gebraut. Abgefüllt in Champagner-Flaschen ist das noch rare Gut häufig schnell vergriffen. Sehr zum Bedauern des Barchefs, der es selbst gern trinkt. „Noch werden die Aufkleber in einer Behindertenwerkstatt angebracht“, weiß er zu berichten, wie er überhaupt, gern und gekonnt, elegante Schlenker über soziale Projekte und Engagements des Resorts macht. Seine thailändische Lebensgefährtin ist auch im Haus tätig: im Restaurant Namun (gesprochen: Nam – un). Gemeinsam lieben sie es, in ihrer Freizeit das gastronomisch anspruchsvolle Umland zu erkunden.

Mit elf Mitarbeitern managt Wich alle vier Resort-Bars. Für den Best of Suisse Gastro 2015 ist seine Hof Bar nominiert. Und sein erfrischender "Herbal Passion" wäre ein heißer STERNKLASSE-Anwärter auf den Titel „Bester alkoholfreier Cocktail 2015“, gäbe es denn einen solchen. Darüber hinaus ist das mit Maracuja verfeinerte Getränk ein Geschenk, das einmal bestellt und bezahlt „à la discretion“ (das bedeutet so viel wie „bodenlos“), wieder und wieder kostenfrei nachbestellt werden kann.

Wenn Wich über Erlebnisse mit Gästen spricht, selbstverständlich diskret, ohne je einen Namen zu verlieren,  dann sehr respektvoll. Ja fast liebevoll. Sein schönstes Stammgäste-Erlebnis: eine Einladung zum Jungfernflug der Strecke Zürich-Las Vegas.

Thomas Sevilla führte die Liebe von den Philippinen nach Bad Ragaz. Der Restaurantfachmann hat gelernt, dass Schweizer wie Deutsche vom Service erwarten, dass dieser abräumt, sobald alle am Tisch fertig gegessen und das Besteck auf dem Teller abgelegt haben. Inder, so weiß er, essen den Teller nur halb leer und rufen das Service- Personal zum Abräumen. Araber schauen nicht in die Speisekarte, sie erwarten Empfehlungen. Seit ein paar Monaten hat Sevilla den Schweizer Pass. Das Namun ist seine Bühne und sein zweites Wohnzimmer geworden – ihn als Gastgeber zu erleben, ist an sich schon eine Reise nach Bad Ragaz wert.

© STERNKLASSE-Magazin 2015