taku im Excelsior Hotel Ernst – Köln

Veganer willkommen! Filigrane ostasiatische Küche mit überraschenden Geschmacksmomenten

Der Mensch hat einen dümmlichen Hang zu ungesundem Essen und zur Verdrängung. Das wissen wir alle längst. Ein Paradebeispiel dafür erzählte neulich TV- und Sternekoch Alexander Herrmann bei „hartaberfair“ dem ARD Millionenpublikum: In heftigen Diskussionen werden seit Jahren lebenswürdige Bedingungen für Zuchttiere gefordert. Alle sind sich einig über die Notwendigkeit.

Und dennoch setzt an den Kühltheken der Discounter auf wundersame Weise täglich ein kollektives Vergessen ein. Ungebremst wandert das Fleisch von gequälten und mit Antibiotika behandelten Kreaturen erst in Einkaufswägen, dann über den Kochtopf in menschliche Mägen.

Theorie trifft Wirklichkeit. Ähnlich verrückt zeigen sich Konsumenten bei der Restaurantwahl. Wir haben uns zu einem Geschäftstermin beim Lunch mittags im Kölner Excelsior Hotel Ernst verabredet. Dicht wie im Karneval drängeln sich die Menschen auf dem Platz vor dem Dom. Jeder Dritte kauend. Hamburger, Eis oder Bier-flasche in der Hand. Essen-To-Go ist der Spazierstock unserer Zeit. Wie würde Carl Spitzweg heute wohl einen Sonntagsspaziergang malen?

Wir haben einen viel längeren Weg vor uns als eingeplant. Das Parkhaus direkt gegenüber vom Hotel, unter der Domplatte, ist geschlossen. Vorübergehende Bauarbeiten. Und obwohl wir an den kommenden Fast Food-Läden, Steakhäusern und bürgerlich erscheinenden Gasthäusern nur vorbeieilen, nehmen wir dennoch wahr, wie gut sie frequentiert sind. Fast noch pünktlich treffen wir zur verabredeten Zeit am Grandhotel ein. Die eindrucksvolle Fassade grüßt mit majestätischer Grandezza, der Wagenmeister mit einem lächelnden Kopfnicken. Wäre uns das taku nicht als Restaurant bekannt, würden wir hinter der sichtgeschützten weißen Tür gewiss kein solches vermuten. Schon gar nicht ein so hervorragendes.

Diese vornehme Zurückhaltung soll wohl unliebsam Verirrte verhindern, hält aber leider auch solche Touristen fern, die gewohnt sind, unvorbereitet spontan Ausschau nach einem guten Restaurant zu halten. Dabei wären sie im taku goldrichtig. Bekämen eine sensationelle Küchenleistung zum sagenhaft günstigen Preis.

Hinter der Tür führt eine Treppe hinunter in ein kulinarisches Paradies, mit einem quer durchs Restaurant fließenden Bächlein unter Glas und schwimmenden Fischen darin. Eine entspannt ruhige Welt. Sanftes Licht. Eine Einrichtung, die ein Gesamtkunstwerk ist, reduziert in Farben und Formen. Jedes Möbel und jedes Detail ist unter ästhetischen Aspekten mit fester Bestimmung ausgewählt. Nichts ist überflüssig, nichts ist kitschig. Ein leuchtend blauer Steg führt in den Raum hinein. Ein Catwalk für Gäste, der dem durchgestylten Raum eine besondere Energie verleiht.

Den Service versehen heute zwei Damen in perfekt sitzenden, weißen Satinjacken und weitgeschnittenen, schwarzen Hosen. Für Fachleute, sprich Gastronomen, wäre schon das Gesamtkonzept einen (Bildungs-)Besuch wert.

Zwei Tische sind besetzt, als wir eintreffen. Am dritten werden wir bereits erwartet. Dabei bleibt’s heute Mittag. Knapp ein Dutzend Gäste. Nicht genug, um verlustfrei zu wirtschaften. Dabei müssten die Menschen hier jeden Mittag Schlange stehen, angesichts des Angebots von Sternekoch Mirko Gaul.  Ein fantastisches Vier-Gänge-Menü für 47 Euro, jeder Gang mit vegetarischer Variante und zum Hauptgang eine weitere Wahlmöglichkeit zwischen Fleisch und Fisch. Auch als Zwei-Gänge-Menü wählbar für 35 Euro – Qualität und Geschmack vom Allerfeinsten. Mit superben Nuancen, die Bekanntes und asiatisch Fremdes zu neuen Geschmackserinnerungen formen.

Ich hatte den Tisch am Vortag telefonisch reserviert. Die wohlklingende Stimme am anderen Ende der Leitung hatte zur beiderseitigen Sicherheit Datum, Uhrzeit und Personenzahl bestätigend wiederholt. Eine Selbstverständlichkeit, die leider nicht selbstverständlich ist. Dann hatte sie nach speziellen Wünschen gefragt und bat, eine Rückrufnummer notieren zu dürfen. Das ist auch bei wenigen Reservierungen sinnvoll. Für den Fall der Fälle, und wenn es nur die am Tisch vergessene Brille ist. Ein professionell zeitschonend geführtes, sympathisches Gespräch.

Umsichtig und auf Business-Gäste eingestellt, agiert auch der Service. Achtet darauf, so wenig wie möglich die Unterhaltung zu stören. Die Wasserflasche steht während des Essens auf dem Tisch. Man hat die Möglichkeit, selbst nachzuschenken, muss es aber nicht. Wenn Speisen eingesetzt werden, nutzt Frau Reimer die Situation und schenkt gleichzeitig Wasser und Wein nach. Dabei wird mein Wunsch, wenig Wein trinken zu wollen – einmal mitgeteilt – bis zum Ende aufmerksam von ihr berücksichtigt.

Mirko Gaul serviert auch am Mittag ein feines Amuse Gueule, und die Pâtisserie überrascht mit einer Riesenauswahl an feinen Trüffeln zum Espresso. Wir sind restlos begeistert. Es war das perfekte Mittagsessen!

Trankgasse 1-5 / Domplatz
50667 Köln
www.excelsiorhotelernst.com
Telefon: 0221 – 270 1

Küchenchef: Mirko Gaul

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