Restaurant SIEBZEHN84 – Sylt

Jederzeit wieder! Sylter-Phänomen: Gäste verleihen sich gegenseitig Flügel

 Um diese Zeit im Januar, acht Tage nach Silvester und genau zwei Wochen lang, ist die Insel wie leer gefegt. Kaum eine Menschenseele ist abends zu sehen. Sylt hat kaum Gäste, und viele Sylter Gastronomen und ihre Mitarbeiter sind im verdienten Urlaub. Zweitdomizile und Ferienhäuser sind verwaist. Während es in Keitum angenehm ruhig ist, gleicht das sonst so lebendige, feierfreudige Kampen einer toten Geisterstadt. Unwillkürlich fragt man sich im Vorbeifahren, warum die tagsüber geschlossenen Luxus-geschäfte in der Nacht so hell erleuchtet sind – selbst Boutiquen mit kahlen Schau-fenstern und ausgeräumten Regalen.

Sylt hat so viele gute Restaurants, dass man sich nur ein kleines bisschen ein-schränken muss, obwohl viele Küchen in diesen Tagen dunkel und kalt bleiben – die Sternerestaurants leider alle bis auf das Spices.  Auch das Tinnumer Bodendorf's, das Sternerestaurant im Landhaus Stricker, ist geschlossen, so erfahren wir bei unserem Versuch, einen Tisch zu reservieren. Doch in einem Atemzug macht uns die freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung überzeugend Appetit auf das andere Restaurant im Haus. Auf das SIEBZEHN84. Bravo! Wir kommen.

Schön, wenn man überall auf Anhieb einen Parkplatz direkt vor der Tür findet. Im Haus kommt uns gutgelaunt Nils Hoyer entgegen. Er war die freundliche Stimme am Telefon. Jetzt bietet er uns freie Platzwahl unter den nicht belegten Tischen an. Wieder einmal fällt uns der inseltypische, angenehm lockere Umgangston zwischen Gästen und Service auf. Der bestellte Aperitif wird schnell gebracht. Kurz darauf das köstliche Brot.

 Nachdem wir heute nur gefrühstückt haben, verspüren wir nun mehr als Appetit. Hungrig fallen wir über den Brotkorb her. Ein Phänomen, das wir auch am Nachbartisch beobachten können. "Die Meerluft!", heißt es von dort – und darauf prosten wir uns gegenseitig fröhlich zu. Wer in der Speisekarte nichts findet, ist entweder Veganer oder Vegetarier – so wie meine Freundin. "Die Kürbissuppe vielleicht ohne Kabeljau", schaut sie Hoyer fragend an. "Gern. Wie wär's mit Trüffelravioli als Einlage?", fragt er zurück und bietet an, in der Küche nachzufragen, was Schönes vorrätig sei. Man dürfe ohne diese Information keine vor-eilige Entscheidung treffen, zieht er sich mit breitem Lächeln zurück.

In der Zwischenzeit bringt uns, Restaurantleiterin Maria Hill die Weinkarte. Sie ist gut sortiert, nein: sehr gut sortiert. Doch wir sind in Champagner-laune. Also blättere ich zügig vor an die richtige Stelle. Die Auswahl ist groß – und was jeden Champagnerliebhaber, freut, so kalkuliert, dass man gern eine zweite Flasche bestellt. Das An- Angebot beginnt bei 65 Euro. Darunter der Winzerchampagner einer Premier Cru-Gemeinde mit sehr gutem Ruf. Ein Blanc de Blanc von Pierre Gimmonet.

Das Essen ist wie erwartet lecker, die Portionen eher zu groß als zu klein. Wahrscheinlich passend zum Hunger, der hier am Meer jeden überfällt. Nils Hoyer, der gewöhnlich im Bodendorf's durch den Abend führt, tut es heute sehr charmant im SIEBZEHN84. "Ich liebe diese bequeme Schürze." Am Nachbar-tisch sitzen Stammgäste, die ihn offen-bar schon ewig kennen und einen Narren an Hoyer gefressen haben. Immer wie-der ziehen sie ihn ins Weingespräch, was er gern mit sich machen lässt. Dabei offenbart er Liebe zum Produkt und ein fundiertes Wissen.

Kaffee oder lieber noch ein Glas Champagner? Wir sind unschlüssig. "Wie wär's mit einem Wechsel an die Bar?", schlägt Maria Hill vor. Kurze Zeit später fragt sie, ob wir Lust hätten, uns das neue Heimkino im Obergeschoss an-zuschauen. Ein Hotel mit eigenem Kino haben wir hier nicht erwartet. Natürlich haben wir Lust und folgen ihr.

Plakate von James Bond und Abraham Lincoln hängen hier nicht an der Wand, sondern wurden auf den Boden geklebt. Eine Kuschelecke für Paare, der riesige Bildschirm und die Lautsprechersäulen – wir bekommen eine beeindruckende Soundprobe – machen den Raum zum beliebten Privatkino. "Wunderbar auch für Kinder, wenn das Wetter mal nicht so gut ist, oder die Eltern im Wellnessbereich oder beim Abendessen sind", erklärt die Restaurantleiterin.

Es war ein richtig schöner Abend. Wir kommen wieder, wir müssen ja das Bodendorf's noch kennenlernen. Darauf freuen wir uns jetzt noch mehr!

im Hotel Landhaus Stricker
Boy-Nielsen-Str. 10

25980 Sylt/Tinnum
www.landhaus-stricker.de
Telefon: 04561 8 89 90

STERNKLASSE 2015