Restaurant maiBeck – Köln

Sei-wie-du-bist-Bistro
in zentraler Lage am Römisch Germanischen Museum

Ausnahme-Menschen brauchen nur die Erkenntnis, dass sie vor einer Hemmschwelle stehen, um sie zu überwinden. Ich gehöre leider nicht zu denen. Aber ich habe gelernt, dass es sich auszahlt, das Überwinden zu üben. Ob man eine Rede vor Publikum halten will oder sich das erste Mal in ein Luxushotel wagt: Bei jeder Wiederholung schrumpft die anfänglich unüberwindbar scheinende Barriere, bis sie schließlich ganz verschwunden ist. Und dann weiß man plötzlich überhaupt nicht mehr, was einem zuvor solche Angst bereitet hat. Auch kostet es viele Menschen große Überwindung, alleine zum Essen in ein Restaurant zu gehen. Nur wer viel beruflich unterwegs ist, dem bleibt leider oft gar nichts anderes übrig. Und obwohl heutzutage jede Großstadt ganz wundervolle Restaurants hat, in denen es sich hervorragend in entspannter Atmosphäre essen lässt, zieht es so viele Menschen, immer und immer wieder, ins Steakhaus. Da weiß man, was man hat. Nur lernt man nichts Neues kennen und gibt genauso viel Geld aus nur für's Sattwerden. Warum geben sich so viele damit zufrieden?

Im maiBeck Restaurant lässt sich das Überschreiten der persönlichen Hemmschwelle gut üben. Die Küche überrascht mit kreativen Zubereitungen einfacher wie anspruchsvoller Gerichte. Auf der Karte stehen "Linseneintopf", "Gesottene Haxe vom Milchkalb" und "Bretonische Makrele" ohne irgendwelche Standes-dünkel gleichberechtigt nebeneinander. Die handverlesenen Grundprodukte sind sehr gut zubereitet und abgeschmeckt. Die Gerichte präsentieren sich auf dem Teller ohne künstlerische Anleihen an den Pointillismus. Viele Gäste tunken die köstlichen Saucen mit Brot auf, blitzblank saubergewischt treten die meisten Teller ihren Rück-weg an. Die Wahrheit, dass Essen glück-lich macht, spiegelt sich in vielen Gesichtern.

Die beiden Chefs, Jan Cornelius Maier und Tobias Becker haben zuvor in 1-, 2- und 3-Sternerestaurants gekocht. Das verrät auch die Website. Weiter lässt sich dort das Versprechen nach-lesen: „Wir arbeiten ausschließlich mit Erzeugern und Lieferanten, die wir persönlich kennen. Alle Produkte wer-den kritisch auf Lieferwege, Aufzucht-bedingungen und Nachhaltigkeit über-prüft. Saisonalität, Frische und Vertrauen durch Transparenz genießen oberste Priorität im maiBeck.“

Die Jungunternehmer sprechen von Spitzengastronomie ohne Beiwerk, von bestem Essen und ausgesuchten Weinen ohne elitären Schnickschnack. „Ein Restaurant für jeden Tag, ein Ort für den besonderen Anlass, ein Plätzchen zum Wohlfühlen und Genießen.“

Vom maiBeck hatte ich schon so manches Gute gehört. Eröffnet hat das Restaurant im November vor eineinhalb Jahren. Im Jahr darauf kam schon der Michelin-Stern. Was für eine Empfehlung! Doch geworben wird damit auf der Website nicht.

"Erstklassige Grundprodukte, super-leckere Küche und eine lockere Atmosphäre wie im Bistro“, so hatten es mir Freunde unabhängig voneinander beschrieben und den sympathisch agierenden Service gelobt. Lage: sehr zentral, direkt am Rhein, gegenüber vom Römisch Germanischen Museum. Nur ein paar Schritte vom Kölner Dom entfernt. Nicht erzählt hatten sie mir, dass das maiBeck mittags und abends fast immer ausgebucht ist. Mittags kämen die meisten Gäste unangemeldet, so erfahre ich später von Jan Cornelius Maier.  Es ist kurz nach 13 Uhr. Angemeldet bin ich nicht. Wer erahnt schon die Fahrtzeit, die es bis Köln brauchen wird? Eine oder vier Stunden, alles ist möglich. Diese Stadt ist leider das Stauzentrum aller Zufahrtsautobahnen schlechthin. Doch völlig überraschend geht es dieses Mal ganz ohne Stopps, und ich komme so zeitig an, dass ausreichend Zeit für ein Mittagessen vor meinem 15 Uhr Ter-min bleibt. Auch dass heute am frühen 13. März die Sonne super sommerliche 20 Grad am strahlend blauen Himmel versprüht, ist eine Ausnahme. Vor dem Restaurant spielt eine Band, entspannt genießt die am Rheinufer versammelte Menschenmenge das Bilderbuchwetter in der Mittagspause. Mit all diesen guten Vorzeichen eingestimmt, öffne ich die Tür und trete ins maiBeck ein.

Mein erster Blick fällt auf die Theke. Zwei hellwache Augenpaare blicken grüßend zu mir herüber. Ein paar Tische sind besetzt, mehr als ich vermutet hätte. „Nicht so gerne“, versuche ich das erste Tischangebot direkt an der Theke abzulehnen. Dort würde ich mich beengt fühlen. Es gelingt. Das zweite Angebot ist mir lieber, auch wenn das Tischchen (ca. 60 cm x 75 cm) mitten im Raum steht. Der ebenso schmale, noch freie Fenstertisch direkt neben mir, scheint also vorreserviert zu sein, denke ich. Doch er ist es nicht, wie sich kurze Zeit später herausstellt, als zwei weitere Passanten dort platziert werden. Das hätte vermutlich manch anderen Gast an meiner Stelle geärgert – empören würde es wohl etwas überempfindliche Naturen. Dabei kann man durchaus geteilter Meinung darüber sein, ob die Platzvergabe so korrekt ist. „Wer zuerst kommt, der mahlt zuerst“, sagt zwar ein altes Sprichwort aber akzeptiert werden muss auch die Gast-geber-Entscheidung, es lieber mehreren Gästen bequem zu machen statt einem. Menü- und Getränkekarte werden rasch gebracht. Draußen hatte ich hocherfreut von einer Vorspeise mit Kalbsbries gelesen. Doch diese Karte, so erfahre ich von Service-Mitarbeiterin Sonja, wird nicht immer sofort aktualisiert. Gerade heute gebe es eine neue Speisekarte, und das Kalbsbries sei nun gegen Kalbskopf ausgetauscht worden. Im Angebot und nicht auf der Karte, so empfiehlt sie, sei heute gebratene Kalbsleber mit Kartoffelstampf.

Keine Musik. Das Stimmengewirr im hohen Raum ohne Schall dämmende Materialien wie Gardinenstoffe, Tisch-decken oder Teppiche, ist angenehm und nicht zu laut.  Ein ungepflegter Mann mit strähnig-fettigen Haaren und nachlässig gekleidet , betritt mit seinem etwa fünfjährigen Sohn an der Hand das Restaurant. Er strebt forsch zu auf einen freien Vierer-tisch. Die Service-Mitarbeiterin schaut kurz ins Reservierungsbuch, geht auf ihn zu, grüßt und fragt dann: „Haben Sie auf den Namen Lindensowieso reserviert?“ Der Mann verneint und nennt seinen Namen sowie einen zweiten, auf den die Reservierung lauten könne. Während die Service-Mitarbeiterin erneut schnell nachschauen will, begibt er sich an die Theke. Sein Sohn spielt währenddessen nicht sehr appetitlich anzuschauen, aber ohne dass es irgendjemand kümmern würde, Mikado mit den Gabeln an dem zuvor besichtigten Tisch. Kurz darauf setzen sich Vater und Sohn an diesen Tisch. Ein dritter Mann gesellt sich wenig später dazu. Das betatschte Besteck ist nun seins.

Die Weinkarte führt etwa 100 Positionen von namhaften als auch mir unbekannten Winzern, zu Preisen zwischen 23 und 79 Euro pro Flasche. Die im Regal am Getränkebuffet ausgestellten und nicht in der Karte stehenden Rosé Prestige Champagner lassen vermuten, dass auch „Prestige Weine“ im Keller liegen. Etwa zehn offene Weine werden zu 5 Euro (für 150 ml) angeboten, der gewählte Grauburgunder bestätigt ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Sobald ein Tisch frei wird, räumt Service- Mitarbeiterin Sonja ab und putzt die Tischplatte mit zwei hygienisch einwandfrei wirkenden Lappen – und nicht mit einem ollen Lumpen, wie man es häufig anderswo beobachten kann.

Die meisten Gäste wählen das viergängige Menü zu 42 Euro. Ich entscheide mich für eine Vorspeise aus einem fünf Positionen umfassenden Angebot „Gerichte, die klein und groß funktionieren“, bei denen die kleine Portion jeweils 35 Prozent preiswerter als die große ist. Als Hauptgang wähle ich nicht die Kalbsleber, sondern die auf der Karte stehende „Geangelte bretonische Makrele mit Süßkartoffel, Champignons, Gurke und Perlzwiebelchen“ für 23 Euro als Hauptgang und beglückwünsche mich später innerlich dazu: „Die beste Entscheidung, die du treffen konntest!“ Was für eine großartige Fischqualität; soweit ich mich erinnere, habe ich nie zuvor eine so gute Makrele gegessen. Auf Wein, Wasser, Brot und Butter mit geräucherten und gesalzenen Kernen (waren es Kürbiskerne?) muss ich nicht lange warten. Ein Amuse gueule wird nicht serviert.  

Sonja und Sascha sind die beiden Mitarbeiter, die im Gastraum wirklich alles – außer dem Kind zuvor – im Blick und im Griff haben. Getränkebuffet und Gäste. Sie tragen beide Jeans, ein weißes Hemd und Turnschuhe, mit denen sie flott ohne Hektik und lautlos unterwegs sind. Zwischendurch trägt auch mehr-mals ein Koch Teller an die Tische. Und ebenfalls taucht Küchenchef und Inhaber Maier mehrfach gutgelaunt auf und geht, soweit ich es übersehen kann, zu allen Gästen. Mal um einen Teller zu servieren, mal um sie zu begrüßen (viele Stammgäste!), mal zum Smalltalk.  Sascha trägt seinen Namen, neben einem Weinöffner, auf der Schürze ein-gestickt. Warum sie das nicht habe, will ich von Sonja wissen. „Nun, ich bin noch nicht lange hier, das ist nur eine Frage der Zeit“, lächelt sie und gibt zu verstehen, dass sie sich im maiBeck-Team wohlfühlt und bald eine eigene Schürze mit Namen tragen wird.

Der Gast an meinem Nachbartisch kann sich leider nicht erinnern, welchen Riesling er beim letzten Mal getrunken hat. Sonja erwidert, dass ihr Kollege Sascha sich viel besser als sie auskenne. Sie würde ihm sofort Bescheid geben. Im nächsten Moment ist der schon am Tisch, aber der Mann hat sich nun bereits für einen 2014er Riesling entschieden, den er unbedingt probieren möchte, weil das sein erster 2014er in diesem Jahr wäre. Sascha beschreibt den Wein kurz mit: saftig, sehr frisch und noch irgendwas, bringt die Flasche an den Tisch und schenkt einen Probierschluck ein. Der Wein gefällt, die Flasche ist gekauft – und "ja", bestätigt Sascha die nächste Frage „wenn die Flasche nicht reicht,

Empfehlung: Wenn Sie Freunde mit einer notorischen Abneigung gegen "feine" Restaurants haben, eben solche, die jeden Vorschlag in eine kulinarisch bessere Richtung mit „Ach, lass uns doch lieber da oder dorthin gehen, das kenne ich, und da weiß ich, was mich erwartet“, abschlagen, dann laden Sie diese bitte sofort ins maiBeck ein! Ich bin sicher, es wird ihnen dort richtig gut gefallen. Und beim nächsten Mal fällt es ihnen dann schon leichter, etwas Neues auszuprobieren

Am Frankenturm 5,
50667 Köln
www.maibeck.de

Telefon: 0221 96 26 73 00

© STERNKLASSE-Magazin 2015