Restaurant akazienhof – Duisburg

Modernes Lichtspiel
mit wechselnden Bühnenbildern

Spontaner Entschluss. Am späten Nachmittag angerufen, am Abend um 19 Uhr sind wir da. Die freundliche Stimme am Telefon hatte die Vorfreude verstärkt, und das gleiche macht auch die großflächig beleuchtete Außenfassade. Zusätzlicher Service: Das Haus wird so unübersehbar für Erstgäste auf der Suche nach der richtigen Hausnummer. Angenehm auch: Parkplätze gibt's direkt vor der Tür. Das von der Hauptstraße zurückgesetzte Restaurant leuchtet dazu noch von innen in hellem Magenta – ansprechend modern.  Rechts von der Eingangstür direkt an der Theke werden wir freundlich in Empfang genommen. Der Raum wird von Bodenstrahlern in das von außen bereits wahrgenommene Magenta-Licht getaucht und wirkt allein dadurch ganz anders als auf der Website. Viel jünger. Passend dazu das deckenhohe Leuchtregal hinter der Theke. „Hausbacken oder 0815“, denkt so keiner, der eintritt, obwohl das Interieur selbst nicht zeitgeistig heraussticht. Das Licht macht die Stimmung. Und auch die so viel und so oft kontrovers diskutierte „Steifheit“ nimmt die Lichtinszenierung hier auf Anhieb aus der Diskussion.

Direkt am Eingang werden wir in Empfang genommen und freundlich begrüßt. Nachdem wir den Namen genannt haben, auf den der Tisch reserviert ist, bittet die Dame uns, ihr zu folgen. Und ehe wir uns versehen, marschieren wir in Mänteln durch das Restaurant, zum Tisch am Fenster, wo sie uns diese erst abnimmt. Angenehmer für alle bereits Speisenden – und auch für uns wäre es gewesen, sie hätte uns die winterliche Garderobe gleich am Eingang abgenommen.

Der Aperitif ist schnell bestellt und gebracht. Die Speisekarte macht die Auswahl nicht leicht. Wir benötigen Hilfe – und die Beratung wird zum Vergnügen für sich. Noch vergnüglicher wird das Gespräch, als mein Begleiter es anheizt, weil der ausgesuchte Wein leider ausgetrunken ist. Die junge Dame tröstet, bietet augenzwinkernd ein Taschentuch für Tränen an und zeigt Alternativen auf. Fröhlich beschwingt bringt sie eine Flasche des von ihr präferierten Weines an den Tisch. Ein Wein, der noch nicht auf der Karte steht, lässt sie uns wissen und dann mit den Worten probieren: „Ich glaube, der gefällt Ihnen beiden. Und wenn nicht, wir finden den richtigen, ganz bestimmt.“

Die Service-Damen sprechen mit uns so natürlich wie wohl untereinander mit Bekannten oder Freunden. Floskelfreie, authentische Gastlichkeit. Nur die Unsitte, eine sorgfältig vom Gast neben dem Teller abgelegte Serviette nicht unbehelligt dort liegen zu lassen, hat man sich auch hier angewöhnt. Schon oft haben wir darüber geschrieben. Doch immer wieder begegnet uns die Posse, dass sobald ein Gast vom Tisch aufsteht, die kaum gebrauchte Serviette gegen eine frische ausgetauscht wird. Einen Grund gibt es dafür nicht. Genauso gut könnte man auch die Klopapierrolle jedes Mal wechseln. Als Aufmerksamkeit gedacht, akzentuiert eine solche Servietten-Tausch-Aktion genau jene Steifheit, die so viel zitiert wird und die doch eigentlich jeder Service vermeiden will. Hier im Restaurant wird die Serviette zwar nicht ausgetauscht, wohl aber mit bloßen Händen (hygienisch bedenklich und als Maßregelung deutbar) ordentlich gefaltet. Anders als Bestecke, die mit weißem Handschuh nachgedeckt werden.

Chefkoch Günter Rönner versteht sein Handwerk und er verarbeitet nur Top-Qualitäten. Dem stimmen alle sieben Restaurantführer zu. Auch FAZ-Restaurantkritiker Jürgen Dollase fand schon 2012 lobende Worte. Rönners Kreativität und sein Wunsch, dem Gast ein echtes Erlebnis zu schenken, beschränken sich aber nicht allein aufs Kochen. Manche Gänge bringt der Chef an den Tisch. Der Vorteil: Niemand kann sie besser erklären als derjenige, der sie zubereitet hat. Aber auch: Kein Gast fühlt sich benachteiligt, denn jedem lässt Rönner die gleiche Aufmerksamkeit zu-teil werden, verweilt überall nur kurz, denn die Speisen sollen ja nicht erkalten.

So wie das Bühnenbild einer Theater-aufführung von Akt zu Akt wechselt, rahmt Rönner jeden Gang mit dem Einsatz ganz unterschiedlicher Requisiten ein. Nacheinander treten ein Stößel, winzige Einweckgläser, ein Schmuck-kästchen und verschiedene Holztabletts auf. Auch sie übertragen die Freude am Detail von der Küche auf den Gast.

Ganz vorn auf der Theke, direkt am Eingang, steht ein Computerbildschirm. Passanten kommen herein, verweilen einen Moment im Gespräch mit einer Kellnerin, nehmen etwas in Empfang und gehen wieder. „Was wird da wohl über die Theke verkauft?“, fragt sich vermutlich jeder Gast, der zum ersten Mal hier ist. Die Antwort zeigt, dass wir nicht die ersten sind, die nachfragen. So erfahren wir, das Restaurant ist gleich-zeitig auch ein Hotel mit etwa 20 Zimmern. Und bei den vermeintlichen Passanten handelt es sich in Wirklichkeit um eincheckende Hotelgäste. Wir erfahren auch, dass das manchen Restaurantgast stört. Ein perfektes Beispiel dafür, dass kein Restaurant es je allen Gästen wird recht machen können. Ungestörtheit und eine lebendige Atmosphäre schließen einander nun mal aus. Jeder professionelle Gastgeber muss sich da für seine Richtung entscheiden.

Nach gut drei Stunden verlassen wir den Tisch nach einem schönen Esserlebnis ganz entspannt und gut gelaunt wie nach einem Kurzurlaub. Genauso, wie man es sich wünscht!

Düsseldorfer Straße 270
47053 Duisburg
www.akazienhof-duisburg.de
Telefon: 0203 66 05 67

STERNKLASSE 2015