Landhaus Spatzenhof – Wermelskirchen

Nicht jeder ist bereit, 70 Kilometer zum Abendessen zurückzulegen. Nicht einmal, wenn der Besuch eines Sternerestaurants bevorsteht. Meine beiden Begleiter sind es. Am späten Nachmittag beschlossen, sofort den Tisch telefonisch reserviert, sind wir wenig später auf der Autobahn Richtung Köln unterweg, geradewegs durch den (zeitlich eingeplanten) Stau zum Spatzenhof nach Wermelskirchen.

Ursprünglich hatte eine Dame namens Clara von Krüger das Landhaus 1913 als Waisenhaus für Knaben bauen lassen. Im ehemaligen „Schlafsaal“ und der „Büßerecke“ stehen nun seit 2010 gedeckte Tische. Nach dreijähriger Kernsanierung und einer liebevollen Restaurierung, hatten Tanja und Philipp Wolter das Kleinod übernommen: sechs zauberhafte Hotelsuiten, ein Landhaus- und ein Gourmet-Restaurant.

Wussten Sie eigentlich, dass Norma Jeane Baker, besser bekannt als Marilyn Monroe, ohne Eltern aufgewachsen ist? Nun, nach ihr und anderen, elternlos aufgewachsenen  Berühmtheiten wurden die Suiten benannt. Und natürlich lag es nahe, das Herzstück, also das Gourmetrestaurant, Clara von Krüger zu widmen. Gesagt, getan – der Michelin- Stern kam postwendend wie erhofft. Schließlich hatte Philipp Wolter das Kochhandwerk bei den Großen im Land gelernt, u. a. bei Helmut Thieltges, Dieter Müller und Claus-Peter Lumpp. 2013 schließt das Gourmetrestaurant für Außenstehende ziemlich überraschend.

Nach drei Jahren Erfahrung wussten Wolters, dass der Spatzenhof nur ein Restaurant und nicht zwei benötigt. Sie stellten die Gerichte der Landhausküche neben ein Gourmet-Menü auf die Speisekarte und nahmen dabei in Kauf, den Michelin-Stern zu verlieren. Doch der Stern blieb. Im ehemaligen Gourmetrestaurant können nun Hochzeiten und andere Feste gefeiert werden.

Dreimal schickt uns das Navigations- System „um den Pudding“, wie wir im Ruhrgebiet sagen. Eine scheinbar nicht zu umfahrende Baustelle steht zwischen uns und unserem Ziel. Beim dritten Einbiegen winkt uns fröhlich eine Dame aus ihrem Mini zu, dreht die Scheibe herunter und fragt, ob sie helfen könne. „Bevor ich Ihnen den Weg erkläre“, sagt sie lachend „folgen Sie mir einfach, ich fahr voraus.“ Nett, die Leute hier im Bergischen!

Es ist kurz vor 19 Uhr, wir sind noch immer pünktlich, als wir auf dem Parkplatz am Spatzenhof den Motor abstellen. Der kurze Spaziergang zum Eingang führt vorbei an einem großzügigen Außenbereich mit vier belegten Tischen und einem Pavillon. Alles sorgfältigst gepflegt. Der Weg und das Grün sind frisch gefegt, die schwarzen Metalltische und  stühle mit grünweiß-karierten Polsterkissen passend zu den grünen Fensterläden des Hauses – alles picobello wie neu.

Ein hübsches Kinderkarussell mit bunt bemalten Pferdchen zieht meine Aufmerksamkeit auf sich, während die Männer sich mehr begeistern für das architektonische Zusammenspiel vom alten Landhaus und dem futuristisch gestalteten Eingang.

Eine junge Dame nimmt uns in Empfang und bietet uns den ersten Tisch, gleich neben Spitzwegs „Der arme Poet“ an. Ein anderer Tisch ist bereits belegt, zwei weitere werden später noch belegt werden. Es ist ein ruhiger Restauranttag, so wie er überall unter der Woche vorkommt und wie es schon bei der Tischreservierung zu vermuten war. Mir ist eigentlich egal, wo ich sitze.

Aber ich möchte es für meine beiden Gäste so angenehm wie möglich haben. Deshalb frage ich freundlich, ob wir nicht am Nachbartisch Platz nehmen können, dem Tisch mit den beiden hohen Sesselsofas. Der würde mir besser gefallen. „Ich glaube, der ist reserviert“, gibt sie zurück. Pause. „Ich schau mal kurz nach“, lächelt sie dann und erfüllt kurz darauf den Wunsch.

Bei drei Tischreservierungen sollte man die Übersicht haben, könnte man nun denken. Aber die junge Frau ist auch für den Außenbereich zuständig, und irgendwo im Haus findet noch ein kleines Extra (Feierlichkeit) statt. Den Service an unserem Tisch versieht federführend ein junger Mann, nicht der Restaurantleiter, aber erfrischend souverän. Keine Frage, die er nicht beantworten könnte, führt er aufmerksam wie ein privater Gastgeber – und er spricht auch so. Ganz natürlich. Wie angenehm! Am Nachbartisch wird er später flink mit dem Messer hantieren und Fleisch tranchieren – dort wollen die Gäste von ihm unterhalten werden. Einen Wunsch, den er ebenso erfüllt wie unseren stillschweigenden, dass wir uns selbst genug sind.

Süppelbach 11
42929 Wermelskirchen
www.landhaus-spatzenhof.de
Telefon: 02196 97590

Küchenchef: Philipp Wolter

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