Frank Rosin – Bock auf Neues

Im Fernsehen zeigt Frank Rosin, dass Gastronomie keine Solosonate ist. Unternehmen, die vor dem wirtschaftlichen Aus stehen, und TV-Zuschauer erleben, wie unternehmerisches Handeln in einem schlagkräftigeinsatzfreudigen Team zum gastronomischen Erfolg führen kann. So hält es der Quotenmacher auch in seinem Dorstener 2-Sterne-Restaurant, hat die  Schlüsselpositionen hochkarätig besetzt. "Mit Susanne sind wir in die nächste Klasse aufgestiegen", sagt er über seine Sommelière Susanne Spies.

Sie ist seit acht Jahren im Team Rosin. Restaurantleiter Jochen Bauer seit zehn Jahren und Küchenchef Oliver Engelke seit 16 Jahren. Rosin ist mehr als ein Coach – er verkörpert sozusagen einen neuen Patron-Typus, indem er unpatriarchisch lenkt, unternehmerisch handelt und Mitarbeiter zu Mitunternehmern wachsen lässt.

Eins von Frank Rosins neuen Projekten reift in den Holzfässern eines Kultwinzers. Beim Pfälzer Markus Schneider. Rosin und Schneider sind alte Freunde. Zwei Selfmademen mit Alpha DNA. Beide beruflich vom Elternhaus vorgeprägt, beide früh mit großen Schritten auf eigenen Wegen erfolgreich unterwegs. "Mein Vater hat Großküchengeräte vertrieben, meine Mutter hatte einen Imbiss und machte die beste Currywurst", erzählt Rosin über seine Vorprägung. Klaus Schneider, der Vater von Markus, war Traubenlieferant für die örtliche Winzergenossenschaft. In das 1990 gegründete Weingut stieg Sohn Markus 1994 voll ein, nachdem er das Winzerhandwerk im Weingut Dr. Bürklin-Wolf erlernt hatte. Noch im gleichen Jahr begann er, ohne eigene Traubenpresse, in fremden Kellern Weine unter eigenem Namen zu produzieren. 1996 der Durchbruch. Weinkritiker wie Stuart Parker und Gerhard Eichelmann entdeckten Schneiders Rotwein Cuvée, die sie schon bald als "neuen Typus deutschen Rotweins" lobten.

Mit einem Hektar Rebfläche begann Markus Schneider, heute sind es 92; etwa 800.000 Weinflaschen füllt er derzeit pro Jahr ab. Auch die Fähigkeit zu klappern, die bestmöglichen und medienwirksamsten Mittel gezielt für positives Marketing einzusetzen, verbindet den Winemaker mit dem Starkoch – und: dass sie beide bei allem Erfolg geerdet geblieben sind. Der Gedanke, etwas gemeinsam zu machen, lag in der Luft. Zumal man auch die gleiche Zielgruppe anspricht. Mit Weinexpertin Susanne Spies wurde die Idee rund undkonnte zwei Jahre später in Flaschen abgefüllt werden. "Frank Rosin, Fass 34 by Susanne Spies" steht auf dem Etikett der Cuvée aus den typischen Bordeaux Trauben. 74% Merlot, 25% Cabernet Franc und 1% Cabernet Sauvignon stecken in der Flasche, an deren Zusammensetzung Susanne Spies akribisch gefeilt hat. "1% mehr Sauvignon macht einen ganz anderen Wein." Auf das Ergebnis, 18 Monate im französischen Eichenholzfass gereift – in zweiter Befüllung –, ist sie stolz. "Die erste Flasche habe ich einem Stammgast überreicht, der mitgefiebert hat." Die 600 Flaschen des Fasses sind längst verkauft, dennoch ist der Wein nicht ausverkauft. In weiser Voraussicht – und mit Vertrauen ins Ergebnis – hatte Markus Schneider nicht nur ein, sondern gleich zwei Fässer der Cuvée abgefüllt. "Der Wein hat seinen  Höhepunkt vermutlich in den bevorstehenden 20er-Jahren. Ein bisschen was können wir jetzt zurücklegen", hofft Spies.

Den nächsten Wein haben die drei Protagonisten natürlich schon in neuen Fässern liegen. Erfolg macht hungrig auf mehr. Auch will Susanne Spies die Symbiose zwischen Glas und Teller vertiefen. Ein Weißburgunder mit Fritz Keller, ein Riesling mit dem Weingut Künstler und ein südafrikanischer Wein stehen auf ihrem Plan für das neu geschaffene "Rosin- Spies"-Label. Verkauft wird der Wein im Restaurant Rosin und über den eigenen Online-Shop (59 €/ Weinkarte, 24 € im Außer-Haus-Verkauf). Gut vorstellbar, dass mit Wachsen der Range die neu gelabelten Weine den Weg in Edel- Supermärkte finden – und dass die Idee auch mit anderen „Dreigestirnen" (Winzer- Sternekoch-Sommelier) Schule macht.

STERNKLASSE 2015