Marleen Müller – Den Traum vom Traumjob verwirklichen

Marleen Müller hat ihn. Den Bachelor of Arts in Business Administration. Schwerpunkt: Hotel- & Touristikmanagement. Und hat zeitgleich jede Menge Berufserfahrung gesammelt. Mit 23 ist die junge Frau aus Gladbeck (NRW) bereits Empfangsleiterin in einem Hotel. Und hat den zweiten akademischen Grad schon im Visier: Marleen Müller macht ihren Master.

Marleen Müller jobbte als Schülerin zwei Jahre lang in einem Modegeschäft und fast wäre sie nach dem Abitur auch in der Modebranch gelandet. „Etwas mit Menschen machen“, wollte sie. Als die Berufswahl anstand, wusste sie, „das Duale Studium ist der richtige Weg für mich“. Die Verbindung von Theorie und Praxis – und so einen Schritt schneller Karriere machen zu können.

„Gäste sind offener als Kunden“. Diese entscheidende Erfahrung führte Marleen Müller in die Hotellerie. Bei ihrem Berufswunsch Modebranche war sie unsicher geworden: "Möchte ich wirklich dreieinhalb Jahre in einem Modegeschäft verbringen?" Wie viele ihrer Mitschüler befand sich Marleen Müller vor dem Abitur in der Findungsphase. „Nur ganz wenige von uns wussten, welche Richtung sie einschlagen wollen“, erinnert sie sich. In Seattle war sie zum Schüleraustausch, Englisch und Französisch sind ihr Ding. Sie gibt Nachhilfe; interessiert sich für Malen, Töpfern, Kochen, Lesen, Musik – und natürlich für Mode. Und Marleen weiß, dass ein Nine to Five-Bürojob sie nicht glücklich macht. Aber was soll sie werden? Marleen bewirbt sich für ein Praktikum in einem kleinen Privathotel mit kaum zwanzig Zimmern und einem Restaurant. Das hat einen sehr guten Ruf über die Grenzen der Stadt hinaus. „Ich bin flexibel, belastbar, fit und fleißig. Bringe Erfahrung im Beraten, Verkauf und im Umgang mit anspruchsvollen Kunden mit“, schreibt sie in ihr Bewerbungsschreiben. Und auch, dass sie sich selbst gut motivieren und organisieren könne.

"Und ich kleide mich gern gut." Marleen bekommt den Praktikumsplatz . Und sie genießt jeden Tag in den folgenden Wochen. „Wunderbare Erfolgserlebnisse kann man als Praktikant oder Auszubildender schon am frühen Morgen verbuchen“, lernt sie schnell. „Man muss einfach nur die Herausforderung annehmen, die unterschiedlichen Gästetypen bewusst wahrzunehmen, sie für sich einzunehmen und für das Haus gewinnen zu wollen.“ Chic und heiter serviert sie um 7 Uhr in der Früh Kaffee und Spiegeleier. „Und wenn sich am Ende ein Morgenmuffel, der grußlos Platz genommen hat, mit einem Lächeln und Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und freu‘ mich schon auf Morgen verabschiedet, dann habe ich seinen Tag verschönt – und meinen auch!“

Die abwechslungsreiche Arbeit in dem Hotel gefällt Marleen Müller sehr. Zwischen Tagesabschluss, Reservierungsbestätigungen und dem Erstellen von To-do-Listen auch Blumengestecke zu arrangieren. Persönliche Begrüßungsworte für den Obstkorb auf dem Zimmer zu Papier zu bringen, mit dem Bäcker zu verhandeln oder in die Tiefen des Reservierungsprogramms abzutauchen, um neue Möglichkeiten zu erkunden – kein Tag ist wie der andere.

Doch Marleen Müller möchte auch schnell Karriere machen. Sie will an der Internationalen Berufsakademie Bochum studieren – und in dem kleinen Privathotel arbeiten. „Dafür musste ich kämpfen." Denn: Sie wäre dann ja nur durchschnittlich 2,5 Tage pro Woche im Betrieb. Der Studiengang sieht 20 Stunden Praxis und 20 Stunden Uni vor. Dazu festgelegte Uni- Blockwochen.

Der Hotelier ist der Ansicht, dass die Flexibiltät zu eingeschränkt und die Wochenstunden im Unternehmen zu wenig seien. Demgegenüber stehen die Kosten für Ausbildungsgehalt plus monatliche Studiengebühren von über 500 Euro – zu hoch für sein kleines Unternehmen. Die Assistentin des Hoteliers vermittelt, sie will dieses Neuland betreten. Und es findet sich ein Kompromiss: Marleen bekommt die Stelle. Ihre Studiengebühren trägt sie selbst. Im Studium bekommt Marleen Müller betriebswirtschaftliches Werkzeug und im Hotel die Freiheit, dieses Wissen anzuwenden. Schnell beginnt sie, kleine Arbeitsabläufe zu optimieren, später größere. Sie ist Lernende und Lehrende zugleich. Sie hinterfragt Ziele. Und sie setzt Ziele. Im Team mit den Auszubildenden, in gemeinsamer Verpflichtung, diese zu erreichen. Wertschätzung und Motivation sind ihre wichtigsten Instrumente. Hinzu kommt  ihr natürliches Talent, lobendes und zur Verbesserung anregendes Feedback zu geben. Ihre Bachelor-Arbeit schreibt sie über die "Macht der Michelin-Sterne" – untersucht deren Einfluss

und Steuerungsmöglichkeiten für Marketing, Mitarbeiter-Bindung und Wirtschaftlichkeit. Ihre Arbeitswoche hat jetzt 32 Stunden als Empfangsleiterin. Marleen Müller ist im Betrieb geblieben. Wenn es sich herausstellen sollte, dass der Master mehr Zeit beansprucht als eingeplant, kann sie auf volle Rückendeckung ihres Chefs und ihrer Kollegen zählen.

© STERNKLASSE-Magazin 2015